Logo
Kontaktieren Mail Telefon
thomas.eckerle@igl-net.de

0171 55 33 848

Am Freitag, 20. April, hat der Leiter des Instituts für Leistungsentwicklung einen Vortrag in der HEBO Schule, Bonn, gehalten. Das IGL hält seit vielen Jahren Kontakt zu dieser Internatsschule, die sich ganz spezifisch um Kinder kümmert, die ADS/ADHS haben bzw. deren Verhalten dem zugeordnet wurde. Thema des Vortrags war „Unterforderung“, eine schulische Problemsituation, die zu riskanten Entwicklungen der Persönlichkeit führen kann – unter anderem auch zu ADS/ADHS-förmigem Verhalten.

Auf den Seiten dieser Homepage finden Sie Informationen zum Thema an vielen Stellen, vor allem hier:  Ursachen für misslingende Schulkarrieren    /   Hochbegabung und psychische Störungen   /   ADHS und Hochbegabung  

Hier das Hand-Out zu diesem Vortrag.  

Das Risiko der Hochbegabung entsteht aus einem Missverhältnis zwischen den an den jungen Menschen gestellten (schulischen) Anforderungen und seinen Leistungs-möglichkeiten. Bestimmte, für die nachhaltige Leistungserbringung existenzielle neurobiologische Mechanismen werden hierdurch in ihrer Entwicklung behindert. Es geht dabei um das Erleben von Zufriedenheit. Neurobiologisch entsteht Zufriedenheit dann, wenn eine erlebte Herausforderung um den Preis von Anstrenung bewältigt wurde. Durch Anstrengung wird im Gehirn ein Ausstoß von Dopamin ausgelöst, der auf das Belohnungszentrum einwirkt und dort körpereigene Opiate (sog. „Endorphine“) freisetzt. Chemisch ist Dopamin eine Vorstufe des Adrenalins, das insgesamt aktivierend wirkt. Die durch Anstrengung ausgelöste Aktivierung wirkt auf das Lernzentrum im Gehirn ein, um den Weg, der zur Zufriedenheit geführt hat, zu speichern. Außerdem stimuliert sie dazu, auf die Suche nach einer neuen Herausforderung zu gehen, um den Zustand des Zufriedenseins fortzusetzen.

Chronische Unterforderung gefährdet Lernfähigkeit und Eigenmotivation. Beides sind Bedingungen für Schulversagen und damit die Kardinalmerkmale des sog. „Under-achievment“, das das Ergebnis einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung darstellt. Das Risiko ist aber nicht auf Hochbegabte beschränkt. Wissenschaftliche Unter-suchungen sowohl in neurobiologischer als auch pädagogisch-psychologischer Forschung belegen das Risiko mindestens ab einem IQ 120, was einem Anteil von 10% der Schüler entspricht. Die Förder-Anforderung an Schule richtet sich also nicht an die Leistungsentwicklung eines minimalen Anteils von Schülern, sondern es geht um Prävention vor der Deformation der Persönlichkeitsentwicklung einer großen Zahl von Schülern.

Neben dem Underachievement gibt es eine Vielzahl weiterer Probleme, die als Folge dieser Deformation entstehen können. Diese manifestieren sich als Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich. Begabtenförderung ist eine Führungs-Aufgabe. Wie gestaltet sich die Arbeitsbeziehung zwischen Lehrer und Schüler? Grundlage sind Respekt und Vertrauen. Außerdem braucht es ein Bewusstsein für die jeweiligen Rollen, also sowohl für die mit einer Rolle verbundenen Aufgaben und Anforderungen als auch für die Erwartungen an den jeweils Anderen. Daher kommt der Kommunikation bei der Führung eine besondere Bedeutung zu. Viele Probleme in der Schule entstehen als Miss-verständnisse zwischen Lehrern und Schülern.

Aufgaben des Lehrers:

– Unterrichten, d.h. Vermitteln von neuen Informationen, die beim Schüler zu Wissen werden sollen;

– Regulieren des sozialen Miteinanders in Gruppen, in diesem Zusammenhang das Beobachten des Einhaltens

  der Regeln und auch das Sanktionieren von Regelverstößen;

– Prüfen des Könnens der Schüler.

Aufgaben des Schülers:

– Einhalten(-Lernen) von Regeln;

– Erfüllen der ihm zu seinem Wohl (Lernfortschritt) auferlegten Pflichten;

– Aktive Beteiligung beim Aufnehmen und Verarbeiten neuer Informationen;

– Herstellen von Bedeutsamkeit der neuen Informationen als Grundage von Wissen und Interesse.

Hochsensibilität und Störungsbilder manifestieren sich in auffälligem Verhalten der Schüler. Es ist naheliegend, die Ursache in den Schülern zu suchen und von „schwierigen“ Kindern zu sprechen. Tatsächlich bereitet aber die erlebte Auffälligkeit dem Lehrer Schwierigkeiten und möglicherweise sind Auffälligkeiten des Schülers eine Reaktion auf eine schwierige Situation. Bezüglich der schulischen Unterforderung ist der Lehrer ursächlich am Entstehen der schwierigen Situation beteiligt.