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Springen bei hochbegabten Kindern

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kompensiert die fehlende Leistungsdifferenzierung innerhalb einer Jahrgangsstufe, indem es die Kinder ersatzweise in der Jahrgangsabfolge beschleunigt. Immer bedeutet Springen organisatorischen und seelischen Aufwand für Lehrkräfte, Eltern und Kinder.

Diese Anmerkung zu schulstrukturellen Gegebenheiten ist notwendig, um die nachfolgenden Hinweise zubegründen. Nur in Anerkennung des Faktischen, dass nämlich hochbegabte Kinder in ihrer altersangemessenen Lernumgebung nicht begabungsgerecht herausgefordert werden, ist es notwendig, Ratschläge zum Springen zu geben. Viel lieber würden wir allen unterrichtenden Lehrkräften Hilfen zur Leistungsdifferenzierung und individuellen Förderung geben.

Ratschläge zum Springen bei Hochbegabung

Wenn ein Kind in Gefahr steht, die Lust am Lernen durch Unterforderung zu verlieren oder sie bereits verloren hat, muss im Sinne einer Prävention von Schulversagen Unterstützung angeboten werden. In die nächste Jahrgangsstufe vorzurücken ist eine der Optionen für diese Unterstützung. Diese Option ist auch dann aussichtsreich, wenn die Schülerin oder der Schüler bereits Leistungseinbußen oder Verhaltensprobleme erkennen lässt. Vorbereitend sollte die Lehrerin oder der Lehrer der aufnehmenden Klasse gefragt werden. Er oder sie sollten sich zutrauen, das hochbegabte Kind anzuleiten, womöglich sollten sie sich auf diese Aufgabe freuen. Die positive und unterstützende Einstellung in der aufnehmenden Klasse ist wichtig; kann sie nicht erreicht werden, sollte die Maßnahme Springen nicht erwogen werden. – Natürlich ist die Suche nicht auf die aktuelle Schule begrenzt. Eine Klasse überspringen in Kombination mit einem Schulwechsel kann bei bereits eskalierten Konflikten ausgesprochen entlastend wirken. Die Genehmigung für das Springen setzt die Zustimmung der Lehrerschaft der abgebenden Klasse und der zuständigen Schulleitung voraus. Der Rat, im ersten Schritt die Lehrerin oder den Lehrer der aufnehmenden Klasse zu wählen, bedeutet daher nicht, dass die aktuell zuständige Lehrkraft übergangen werden darf. Wenn das Vertrauensverhältnis gegeben ist, ist es vernünftig, ihr parallel von der Überlegung Kenntnis zu geben. Sonst sollte sie, sobald Lösungen im ersten Schritt erkennbar werden, einbezogen werden.

Pädagogische Probleme, die mit dem Springen erwartet werden, sind am besten zu lösen, indem man wartet, ob sie überhaupt auftreten. Wenn das hochbegabte Kind eine entspannte Situation vorfindet, kann es sich einfinden und wird in der Regel rasch aufholen. Die günstigste Zeit eine Klasse zu überspringen ist die nach den Sommerferien. Wenn die Schule zustimmt, bis zu den Herbstferien keine Noten zu geben, kann sich das Kind in der neuen Klasse orientieren und gegebenenfalls seine Nachholbedürfnisse bestimmen. Meistens dauert es nicht mehr als sechs Wochen, bis der Anschluss gefunden ist; aufwändige Unterstützungen können und sollten dann auch unterbleiben.

Eine Vereinbarung zum Springen kann allenfalls ein einseitiges Widerrufsrecht enthalten: Aus schulischer Sicht sollte das Kind ohne Wenn und Aber vorrücken. Längere Probezeiten setzen es unter Druck und gestalten jeden Tag zur Prüfung. Sollte aber umgekehrt das  Kind den Mut verlieren, sollte eine Rückkehr in die Ausgangsklasse erwogen werden. Die guten Erfahrungen, die Schulen durchweg mit dem Springen machen, gelten auch für hochbegabte Kinder mit oppositionellem Verhalten oder mit chronischen somatischen Beschwerden.

Ein Sabbath-Jahr für hochbegabte Kinder?

Problematisch können die Verläufe nach Springen in der Vorpubertät werden. Wenn ein Kind früh eingeschult wurde und dann gesprungen ist, kommt es unter Umständen mit acht Jahren in die weiterführende Schule. Das Institut für Leistungsentwicklung regt ein Sabbath-Jahr an, das nach zuvor erfolgter Beschleunigung dann zu einer „produktiven Verlangsamung“ führen könnte. Produktiv kann ein Sabbath-Jahr sein, wenn es im curricularen Fortgang aufhält, aber mit außercurricularen Inhalten und erlebnispädagogischen Angeboten herausfordert.